Leontopodium alpinum Cass. cv. Helvetia - alias Edelweiß

Eine sehenswerte Ausstellung des botanischen Gartens Genf über die Kultpflanze Edelweiß informiert über biologische und gesellschaftliche Aspekte sowie die kommerzielle Nutzung. Die Ausstellung läuft vom 21. Mai – 16. Oktober 2011.

 

Erste Illustration des Edelweiß im Codex bellunensis, einem Herbarium in farbigen Bildtafeln aus dem 15. Jh., das in der Britisch Library in London aufbewahrt wird. Quelle lt. Ausstellung Genf.

Name

Eine erste Illustration des Edelweiss ist im Codex bellunensis aus dem 15. Jh. bekannt. Die erste botanische Beschreibung und der heute noch gültige lateinische, bzw. wissenschaftliche Name „Leontopodium alpinum“ sind aus dem 16. Jh. Der einheitliche volkstümliche Name „Edelweiß“, der inzwischen auch in anderen Sprachen verwendet wird, ist dagegen weitaus jünger. Früher gab es zahlreiche regionale Bezeichnungen wie „Wollblume“ oder „kleiner Löwenfuß“, der dem wissenschaftlichen Namen sehr nahe kommt. Auch „Gletscherstern“, „Silberstern“ oder „Alpenstern“ waren, inspiriert durch die Blüte, gebräuchlich.

In Graubünden nannte man es auf Rätoromanisch „Alv etèrn“, was „ewiges Weiß“ bedeutet. Dies rührt vermutlich daher, dass die Blume auch nach dem Trocknen ihre Farbe und Form nicht verliert. Erst im 19. Jh. bürgerte sich im Zuge einer neuen Mode allgemein der Name „Edelweiss“ ein.

 

Edelweiß Wildtyp

Biologie

In Westeuropa gibt es nur zwei Arten: „Leontopodium alpinum“ und „Leontopodium nivale“. Insgesamt gibt es jedoch vor allem in Asien zahlreiche, meist schwer bestimmbare Edelweiß-Arten. Die europäischen Arten sind mit denen aus der Mongolei und Zentralchina am nächsten verwandt. Neuere genetische Untersuchungen der Uni Wien und Innsbruck beschreiben 31 Leontopodium Arten.

Das Edelweiß lebt meist in Gesellschaft mit dem Blaugras (Sesleria caerulea) und gedeiht am besten zwischen 1000 m und 3000 m Höhe.

Durch seinen Duft zieht das Edelweiß vor allem Fliegen an und liefert diesen für ihren Stoffwechsel notwendige Aminosäuren liefert. Im Gegenzug dazu übernehmen die Fliegen auch etwa 88 % der Bestäubung. Jedes Edelweiß besteht aus 100-1000 Einzelblüten, gruppiert in 2-12 Blütenköpfe und umgeben von 5-15 filzigen, weißen Hochblüten. Jeder Samen wird von einem Flugschirmchen, dem Pappus, getragen, so dass eine entsprechende Verbreitung möglich ist.

 

Männertracht mit Edelweißstickerei

Volkskundliche und gesellschaftliche Symbolik - Eine asiatische Pflanze als patriotisches Wahrzeichen

In alten Sagen findet man das Edelweiß nicht. Auch bei den Schweizer Trachten kommt erst ab 1890 die Edelweiß-Stickerei, vor allem bei Männertrachten in Mode.

Die Legende eines Burschen, der unter Einsatz seines Lebens ein Edelweiß pflückt ist, die Ende des 19. Jh. auftaucht, ist frei erfunden, ebenso wie die Meinung, dass das Edelweiß nur unter extremen hochalpinen Bedingungen wächst, die für normal Sterbliche kaum erreichbar sind. Das Edelweiß wurde durch diese Legenden zum Symbol der Männlichkeit. Diese Symbolik geht einher mit dem im 19. Jh. immer beliebter werdenden Alpinismus.

Logo Österreichischer Alpenverein

Noch heute findet man das Edelweiß z.B. im Logo des Österreichischen und Deutschen Alpenvereins.

Das Edelweiß - im Marketing allgegenwärtig

Das Edelweiß galt auch als Lieblingsblume des Kaiserpaars Sissi und Franz-Josef sowie von König Ludwig. Die Welle der Heimatromantik nutzte dann auch der Nationalsozialismus, indem er das Edelweiß als „Lieblingsblume des Führers“ für sich vereinnahmte. Ebenso die Südtiroler Volkspartei, für die es ebenfalls als patriotisches Symbol herhalten musste.

Allerdings war dies nicht ganz unumstritten, da die Ursprünge des Edelweißes in Asien liegen und die von deutschen TouristInnen eingeführte neue Mode zunächst als eher suspekt betrachtet wurde. Doch der Siegeszug war nicht mehr aufzuhalten. Von Heino bis „Sound of Music“ findet es sich in der Musik wieder. In Heimatromanen, wie auch in „Asterix bei den Schweizern“ ist das Edelweiß allgegenwärtig.

Nach der anfänglichen Verkitschung bis in die 50er Jahre wurde das Edelweiß jedoch in neuerer Zeit im aufkommenden „Ethno-Trend“ zu dem in der Schweiz auch Symbole wie Kuh, Käse oder Schweizerkreuz gehören, wieder salonfähig und spricht auch jüngere und urbane Kreise, besonders aber die asiatischen TouristInnen an. So findet man das Edelweiß unter anderem nicht nur als Trachtenstickerei sondern auch auf modernen Stoffen, Uhren und anderen Gegenständen oder dem aktuellen Logo des Schweiz Tourismus.

 

Naturschutz und Kommerzielle Nutzung – Nahrung und Arzneipflanze

Vor allem durch den Kult Ende des 19. Jh. und das mit der Kommerzialisierung einhergehende massenhafte Pflücken wurde die Pflanze beinahe ausgerottet. Die Alpenvereine haben sich daraufhin erfolgreich für ein Pflückverbot eingesetzt und das Edelweiß wurde kurz darauf in den Alpenländern unter strengen Naturschutz gestellt. Dies gilt noch immer für wild wachsende Edelweißpflanzen, auch wenn es heute auch weitaus seltenere Pflanzen gibt. Allerdings ist das Pflücken in der Natur auch nicht mehr notwendig, da durch neuere Züchtungen landwirtschaftlicher Anbau betrieben wird und der Bedarf dadurch leicht gedeckt werden kann.

Anbauweise des Edelweiß - Botanischer Garten Genf

Die neuen Hybriden, wie z.B. „Helvetia“ sind ertragreich und konstant in der Wirkstoffproduktion. Die Samen keimen leicht und benötigen keine Kälteperioden. Der Anbau erfolgt auf 1000 m bis 1700 m Höhe und im zweiten Jahr ist die erste Ernte möglich. Die neuen Hybriden überdauern aber, anders als ihre ausdauernderen wild wachsenden Verwandten, nur drei bis fünf Jahre.

Die Pflanzen werden abgemäht, getrocknet und entsprechend weiter verarbeitet.

Als Arzneipflanze ist das Edelweiß durch seine hohe Konzentration an Antioxidantien sehr wertvoll. So hat auch die Kosmetikwelt neuerdings das Edelweiß als Jungbrunnen mit „Anti-Aging“-Effekt für sich entdeckt. Reichlich enthaltene Gerbstoffe und Tannine erklären die volksmedizinische Verwendung als Anti-Durchfallmittel. Auch in Bier, Brot und anderen Nahrungsmitteln wird das Edelweiß verwendet oder als Marketinginstrument genutzt.

Edelweiß Anbau - Botanischer Garten Genf

Die Expo Edelweiss ist das Resultat einer Zusammenarbeit des Conservatoire et Jardin botaniques Ville de Genève und des Botanischen Gartens der Universität Zürich. Details zur Ausstellung finden Sie hier.

Edelweiß - Botanischer Garten Genf
Alpine Postkartenromantik
Edelweiß im Blumenkasten - Botanischer Garten Genf